Heute versuche ich mich in einer der Königsdisziplinen der Küchenkunst – dem Backen. Während ich schon länger recht interessiert am Kochen bin, war Backen immer ein rotes Tuch für mich. Die Lebensmittelvariante von Malen-nach-Zahlen. Man nehme 100 g davon, füge 100 g hiervon dazu und rührt. Wenig Spielraum für Kreativität.

Ein weiterer Punkt, der mich immer von Backen abgehalten hat: meine Oma backt die weltbesten Kuchen. Ich würde vollkommen demoralisiert sein, wenn ich meine verkorksten Torten probieren würde und sie nicht mal ein Fünkchen so gut sind, wie die der Baking-Queen.

Nichtsdestotrotz hat mich der Ehrgeiz gepackt. Ich will backen! Da ich kein großer Fan von Süßspeisen bin, habe ich mich kurzerhand für einen „einfachen“ Tomatenkuchen entschieden (oder Quiche oder Tarte, je nachdem wo man gerade backt).

Die Grundidee st recht einfach: Teig + Füllung! Also fangen wir mal beim Anfang an:

Der Teig
Ich habe mich für Mürbeteig entschieden – noch nie vorher gemacht, eine echte Herausforderung! Mein erstes Ma(h)l.
Man nehme ca. 300 g Mehl, SEHR kalte 200 g Butter, 2-3 Eier und dann Gewürze nach Wunsch (reichlich Salz, reichlich Zucker, Knoblauchpulver, Pfeffer). Die ganzen Zutaten dann mit einem Arbeitsgerät der Wahl rühren. Bei mir wars mein Brotbackautomat, mit dem das Ganze eigentlich gut funktioniert hat. Besser ist allerdings ein Handrührgerät. Von den Händen würde ich abraten, da es 1. sehr in die Arme geht und 2. die Butter zu schnell warm wird!

Wenn der Teig gut durchgemischt ist, schön dick in Frischhaltefolie einwickeln und ab in den Kühlschrank. Dort darf er dann min. 2 Stunden in der Dunkelheit chillen, wenn es länger wird, ist es auch kein Problem. Ich hab ihn über Nacht drin gelassen, weil es schon ziemlich spät war und ich keine Lust mehr hatte weiter zu backen.

Nach 2 Stunden (oder wie viele Stunden ihr geschlafen habt – bei mir waren es 7!) kommt das ungeliebte Ausrollen. Mein Tipp: legt den Teig zwischen zwei Lagen Frischhaltefolie, dann klebt nichts und ihr müsst weniger sauber machen. Wer kein Nudelholz zur Hand hat, kann einfach eine Flasche nehmen, funktioniert auch wunderbar. Kein Problem, wenn der Teig ab und an reisst! Und ganz wichtig: viel Spaß beim Rollen!

Der Teig sollte nach dieser Tortur höchstens 1 cm dick sein. Jetzt nehmt ihr eure Backform (ich hab eine schicke Porzellanform gewählt, die farblich wunderbar zu meinen Augen passt. Das Auge isst ja bekanntlich mit! Eine Springform ist aber DEUTLICH besser.). Drückt mit der umgedrehten Form auf den Teig und schneidet den „Abdruck“ mit einem Messer aus. Nun lässt sich der Boden superleicht in die Form legen. Einfetten davor nicht vergessen! Aus dem restlichen Teig kann man nun (hoffentlich) schön den Rand ausschneiden, je nachdem wie hoch ihr den Kuchen wollt. Ich war wieder gierig und hab ihn ca. 12 cm hoch gemacht. Sollte der Teig nicht für den ganzen Rand reichen: nochmal ausrollen (Sorry!) und den Rand zurecht schneiden. Rand und Boden in der Form zusammendrücken, Folie drüber – Kühlschrank – Luft holen!

Wer schon wieder bei Kräften ist, kann seinen Teig im vorgeheizten Backofen ca. 15 min bei 200 Grad vorbacken.

Nebenbei kommt das schönste: die Soße, Füllung oder wie man es nennen will.

Da ich kein Freund von allzu fetten Speisen bin, und wir im Teig schon beängstigende 200 g Butter verwendet haben, hab ich die Low-Fat-Variante gewählt: Mager-Quark. Wer sich die volle Dröhung geben will, kann natürlich auch Schmand benutzen.

Also: man nehme eine schöne Schüssel, füge ein 500 g Quark, 2 Eier, 1 Löffel Frischkäse. Das ist die Basis, wir wollen jedoch – ACHTUNG! Auf den Teig achten – einen Tomatenkuchen.

Also nun erstmal 2 mittelgroße Zwiebeln schneiden und andünsten (Form je nach Wahl, ich hab Ringe gewählt, da hat man was zum beißen…) bis sie glasig sind. Das sollte so 5 Minuten dauern. Die Zwiebeln dann abkühlen lassen.

Tomaten:
200 ml passierte Tomaten in die Schüssel
ca. 10 getrocknete Tomaten kleinschneiden und in die Schüssel
und etwa 5-6 mittelgroße Tomaten ringeln und… nicht in die Schüssel

Die Soße jetzt nach wünschen – Knoblauch, Chili, Pfeffer, Salz, Zucker – würzen und gut umrühren.

Der Boden sollte inzwischen fertiggebacken sein, wenn nicht, kannst du ja schon mal mit dem aufräumen anfangen :-).
Die geschnittenen Tomaten nun auf dem Boden verteilen, bis er „abgedeckt“ ist, dann etwas von der Soße drüber und nochmal eine Schicht Tomaten verteilen, Soße, Tomaten, Soße, Tomaten, Soße, Tomaten, Soße, Tomaten, Soße, Tomaten, Soße, Tomaten. So viele Schichten müssen es zwar nicht sein, aber 2 Schichten sollten es werden. Denn: das Auge isst bekanntlich mit!

Zuguterletzt noch 100 g Mozarella schneiden und damit bestreuen. Jetzt kann das Ding endlich ins Rohr. 180 Grad. 40 Minuten. Er ist fertig, wenn der Quark gestockt hat.

Ergebnis:
Nach dieser Tour de Tarte oder Tarte-Tour (gutes Wortspiel, oder? Patent ist schon angemeldet!) lässt sich erstmal eins sagen: RESPEKT OMA! Backen ist kein Kinderspiel.
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Nebentipp: Wer es sich viel leichter machen will, kann statt dem Mürbeteig auch fertigen Blätterteig benutzen (das werd ich das nächste Mal versuchen). Wenn ihr zuviel Füllung habt, könnt ihr die restliche in eine entsprechende Form geben (ich hab ein kleines Glas genommen) und mit im Backofen garen. Schmeckt auch sehr gut!

Am besten ist der Kuchen lauwarm, superheiß auf den Teller ist es nicht empfehlenswert, da die Quark-Füllung zerläuft.

Geschmacklich gefällt mir die Füllung sehr gut. Der Quark macht alles sehr frisch und leicht! Die getrockneten Tomaten sind der absolute Hammer in Verbindung mit dem Quark. Die frischen Tomaten ergänzen sich auch schön mit dem recht trockenen Teig, so dass es weder matschig noch bröselig ist. Der Teig ist auch gut, jedoch mit ein wenig Arbeit verbunden, wer sich damit abfinden kann, sollte es testen.